Konzertprogramm Sommer 2018

Samstag,   23. Juni 2018 um 19 Uhr,  Rundkirche  auf dem Tempelhofer Feld  .  Wolffring 72  .  12101 Berlin
Sonntag,   24. Juni 2018 um 16 Uhr,  Auferstehungsgemeinde  .  Fischereiweg 43  .  06846  Dessau-Rosslau


 
Carl  Stamitz
1745 – 1801
weiterer Text2Orchesterquartett F-Dur op. 4 Nr. 4

Mannheimer Manieren
„Kein Orchester in der Welt hat es je dem Mannheimer zuvor getan. Sein Forte ist ein Donner, sein Crescendo ein Katarakt, sein Diminuendo ein in die Ferne hinplätschernder Kristallfluss, sein Piano ein Frühlingshauch.“ Was Christian Friedrich Daniel Schubart 1784 am berühmten Orchester der Mannheimer Schule so euphorisch herausstreicht, inspirierte die gesamte Wiener Klassik zur Nachahmung, allen voran Mozart und Haydn. Wie aber klingt ein originaler Mannheimer Orchestersatz? Das Orchesterquartett von Carl Stamitz wird’s weisen: anrollende Figuren der Eröffnungstänze, „Mannheimer Raketen“, also aufschießende und abstürzende Akkordbrechungen, bissige Synkopen, erhitztes Tremolo, jähe dynamische Kontraste, schwellendes Crescendo, seufzende Trios, ein bekräftigendes „Schlusswort“, die Coda.

Joseph  Haydn
1732 – 1809
weiterer Text2Konzert für Violine und Streichorchester G-Dur Hob VIIa:4

Freude am Spielen
Es ist weithin berühmt, das Violinkonzert in G-Dur von Joseph Haydn, obwohl es vielleicht nicht einmal von Haydn stammt. „Es gibt gerade genug Elemente von Haydns frühem Stil in seinen drei Sätzen, die seinen Verbleib im Kanon der echten Werke gestatten“, meint der Haydn-Forscher H.C. Robbins-Landon. Um 1760 hießen die Quartette Haydns noch Divertimenti, während Divertimenti für Streicher fehlen. Stattdessen gibt es das Divertimento für Violine und Streichorchester, ein kleines Violinkonzert, in welchem die Solovioline ganz in den Orchesterklang gebettet ist. Vor allem aber zeichnet das Konzert eine Qualität besonders aus: Es vermag berückend schön zu singen, erinnert vor allem in den beiden ersten Sätzen an Opernarien der 1750er-Jahre.

Hans Werner  Henze
1926 – 2012
weiterer Text2Fantasia für Streicher | aus der Musik zum Film „Der junge Törless“ von Volker Schlöndorff

Vivat Enzo!
Hans Werner Henze, der bedeutendste deutsche Komponist des 20. Jahrhunderts, komponierte drei Werke für Streichorchester. Dessen erstes, ein neoklassizistisches Werk von so inniger wie verletzlicher Schönheit, hat das Brandenburgische Kammerorchester Berlin im Frühjahr 2018 neu in sein Repertoire aufgenommen. „Im Jahre 1966 schrieb ich die Musik zu Volker Schlöndorffs erstem Film „Der junge Törless“. Ich dachte mir, der Klang der alten, frühen Instrumente, die ich wählte, könnte als Metapher für das frühe Unausgereifte, nahezu kindlich Jugendhafte und Gefährdete der Protagonisten der Musilschen Novelle verstanden werden. Später richtete ich einige Stücke aus der Musik für Streichsextett ein und machte auch eine Streichorchester-Version davon.“

Nino  Rota
1911 – 1979

weiterer Text2Concerto per archi

Ein fröhlich bekennender Dieb
„La Strada“ und „La Dolce Vita“ – Federico Fellinis berühmte Filme leben auch von der Musik Nino Rotas. Der Mailänder Komponist, ein musikalisches Wunderkind, studiert in den 1920er-Jahren in Italien, dann in den USA, entdeckt George Gershwin und Aaron Copland und die Hollywood-Filmmusik für sich. Zurück in Europa, versucht er das Image des Filmkomponisten wieder abzustreifen, indem er „seriös“ im Stile der klassischen Moderne komponiert. Dazu zählt auch das Concerto per archi. Es liebäugelt mit dem Concerto grosso und überhaupt der italienischen Musik des 18. und 19. Jahrhunderts, freilich pikant gewürzt mit musikalischen Zutaten des 20. Jahrhunderts. „Es gibt keine Plagiate in der Musik. Das musikalische Material ist gemeinsamer Besitz. Wenn jemand es nimmt und sich zu Eigen macht, ist er seinem Vorgänger nichts weiter als Dank schuldig.“

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Solistin  .  Julia Prigge
Leitung  .  Rainer Kimstedt
 
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