Aktuelles Programm

Samstag,   15. 06. 2019  um  19 Uhr  .  Heilig-Kreuz-Kirche  .  Kreuzberg  .  Zossener Str. 65, 10961 Berlin
Sonntag,   16. 06. 2019  um  18 Uhr  .  Rundkirche  .  auf dem Tempelhofer Feld  .  Wolffring 72, 12101 Berlin


Abschiedskonzert Rainer Kimstedt
Wolfgang Amadeus  Mozart
1756 – 1791
weiterer Text2
Adagio und Fuge c-Moll, KV 546
 

Als der Wiener Baron Gottfried van Swieten 1777 vom Posten des Österreichischen Botschafters in Berlin abberufen wurde und in die Donaumetropole zurückkehrte, brachte er frische Eindrücke vom Wirken der Hofkomponisten Friedrichs des Großen und besonders der ältesten Söhne Johann Sebastian Bachs mit. Sie schlugen sich außer in einer Reihe von Bach-Handschriften, mit denen er die Wiener Komponisten bekannt machte, in den musikalischen Aktivitäten des Barons nieder, in die Mozart seit 1782 einbezogen war. Die preußische Vergangenheit und jene bachischen Kontakte des Barons erklären, warum Mozart sich im Jahr 1788 verschiedentlich der Kunst der Bachsöhne Carl Philipp und Wilhelm Friedemann näherte. Dies geschah zum einen durch die von ihm geleitete Aufführung des Oratoriums Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu des „Berliner Bach“ Carl Philipp, zum anderen durch die Komposition von Adagio und Fuge für Streicher.

Die Kopplung eines freien, expressiven Adagios mit einer Fuge für Streicher war in der Berliner Schule weit verbreitet. Prominente Beispiel finden sich etwa bei Wilhelm Friedemann Bach. Für Streichtrio und Streichquartett sind solche Doppelsätze aus dem Umfeld Mozarts überliefert: Klavierfugen von Johann Sebastian und Wilhelm Friedemann Bach, die entweder Mozart selbst oder ein anderer Meister des van Swieten-Kreises für Streicher arrangierte und mit nachkomponierten Präludien im Wiener klassischen Geschmack versah. Das gleiche tat Mozart im Falle von Adagio und Fuge, KV 546, nur dass er hier auf eine eigene Klavierfuge zurückgriff, sie für Streicher arrangierte und mit einem Adagio versah: die 1782 komponierte c-Moll-Fuge für zwei Klaviere. In seinem eigenhändigen Werkverzeichnis liest sich der betreffende Eintrag vom 26. Juni 1788 so: „Ein kurzes Adagio à 2 Violini, Viola, e Baßo, zu einer Fuge, welche ich schon lange für 2 Klaviere geschrieben habe“.

[ zit. nach: kammermusikfuehrer.de/werke/125 ]

weiterlesen …

Béla  Bartók
1881 – 1945
weiterer Text2
Divertimento für Streichorchester
Written for the Basle Chamber Orchestra

1. Allegro non troppo
2. Molto adagio
3. Allegro assai

Aus der Schweizer Sommerfrische des Augusts 1939 schrieb Béla Bartók an seinen Sohn: “Irgendwie fühle ich mich wie ein Musiker vergangener Zeiten, der von seinem Mäzen zu Gast geladen ist“. Noch konnten der ungarische Komponist und sein schweizerischer Gastgeber Paul Sacher nicht ahnen, dass es der letzte Sommer vor dem Zweiten Weltkrieg gewesen sein würde. Im Chalet des Basler Dirigenten und Mäzens zu Saanen im Berner Oberland logierte Bartók für seine Begriffe geradezu “überkomfortabel“. Die Aufgabe, die sein Mäzen ihm gestellt hatte, war denn auch “der Lage der alten Meister ähnlich“: es war ein Divertimento für Streichorchester. Sacher gab es für sein Basler Kammerorchester in Auftrag, und Bartók komponierte es im Laufe von nur zwei Wochen, zwischen dem 2. und 17. August.

“Wenn es auch nicht zu den bahnbrechenden Kompositionen Bartóks gehört, ist es doch zweifellos ein Meisterwerk, das durch die Finesse der Konstruktion und die blendende Entwicklung imponiert und mit seinem einfachen, unprätentiösen Stil den Hörer gefangennimmt. Das volkstümliche Kolorit der Motive und ihr manchmal derber Ausdruck (insbesondere bei der Exposition der Themen) kreuzen sich mit archaisierenden Merkmalen, die an das Concerto grosso des Barock anknüpfen. Der Gegensatz und das Wechselspiel zwischen den Soloinstrumenten (Streichquartett) und dem vollen Streichorchester, das übrigens schwach besetzt ist, verleiht dem Werk konzertanten Charakter. Sowohl der harmonische als auch der instrumentale Klang, die Rhythmik und die Anordnung der Figuren sind überwiegend traditionell gehalten, was auch die Schwäche jeder vorübergehenden Dissonanz und jeder Störung des traditionellen Verlaufs unterstreicht.“ (T. Zielinski)

Das volkstümliche Kolorit, von dem hier die Rede ist, entspricht im ersten und im letzten Satz Bartóks rumänischen Volkstänzen, während die Coda des Finales eine “stichelnde Anspielung“ auf ungarische Salonkapellen alten, trivialen Stils ist. Nur der langsame Satz ist durch “Klänge der Nacht“ und den zentralen Trauermarsch herausgehoben.

[ zit. nach: kammermusikfuehrer.de/werke/125 ]

weiterlesen …

Antonín  Dvořák
1841 – 1904
weiterer Text2
Serenade E-Dur für Streichorchester op. 22
 

1. Moderato
2. Tempo di Valse
3. Scherzo. Vivace
4. Larghetto
5. Finale. Allegro vivace

1875 war ein bedeutungsvolles Jahr für die europäische Musikgeschichte: In Paris wurde Georges Bizets “Carmen” uraufgeführt, in Prag Smetanas “Moldau”, in Wien arbeitete Johannes Brahms an der Vollendung seiner Ersten Sinfonie, in Bayreuth fieberte Wagner der Premiere der 1874 vollendeten “Götterdämmerung” entgegen. Zwischen diesen Landmarken der Musikheroen nimmt sich der Aufstieg eines bescheidenen böhmischen Musikanten aus einfachen ländlichen Verhältnissen eher unscheinbar aus. Ein Wiener Ministerium bewilligte Antonin Dvorak ein “Künstlerstipendium” in Höhe von 400 Gulden. Noch unbehelligt vom späteren Weltruhm, schrieb der 34jährige damals einige seiner schönsten und inspiriertesten Werke. Alle von ihnen sind mit einer “Nr. 1” versehen: die ersten “Klänge aus Mähren”, op. 20, das erste Klaviertrio, op. 21, und das erste Klavierquartett, op. 23. Aus der Mitte dieser Kammermusiken ragt das Opus 22 heraus: die erste Serenade in E-Dur, für Streichorchester geschrieben, Summe des Wohllauts und der herrlichsten böhmischen Melodien. Alles an diesem klangseligen Werk kündet von der guten Laune des aufstrebenden Komponisten. Themen hat er in geradezu verschwenderischer Fülle über die fünf Sätze ausgestreut. In satt-samtigem Klang entfalten die Streicher eine Wärme und Innigkeit, wie sie selbst die ähnlich erfolgreichen Streicherwerke von Tschaikowsky und Grieg nicht überboten haben.

Wie seinen Kollegen in Russland und Norwegen ging es Dvorak beim Komponieren seiner ersten Serenade um einen Atavismus, eine “Rückentartung” in die Welt der klassischen Serenaden und Divertimenti eines Haydn und Mozart. Die Formen der fünf Sätze sind klassisch übersichtlich gehalten, die Themen überschreiten nie ein gewisses klassisches Maß an Schönheit und Gediegenheit, speziell die thematische Verarbeitung wird auf ein leicht zu überschauendes Mindestmaß reduziert. Dvorak hat hier aufs Schönste dem italienischen Kern des Begriffs “Serenata” gehuldigt, der sich nicht etwa von “sera”, dem italienischen Wort für Abend, herleitet, sondern von “sereno”, dem aus italienischen Wettervorhersagen geläufigen Begriff für einen heiteren, wolkenlosen Himmel, der nicht unbedingt nur am Abend zu genießen ist. Von einem so leuchtend blauen, überdies böhmischen Himmel wird die Dvorak-Serenade gleichsam zur Gänze überstrahlt ? ein wolkenloses Werk.

[ zit. nach: kammermusikfuehrer.de/werke/125 ]

weiterlesen …

Leitung
Rainer Kimstedt
 
Karten
15 / erm. 8 Euro . Abendkasse
13 / erm. 6 Euro . Vorverkauf über unser  ➩ 
Bestellformular